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© Monika Jäggi, Toronto Music Garden, August 2025
Während acht Jahren hat uns die Basler Geografin und Journalistin Monika Jäggi mit ihrem Engagement und ihrer zuverlässigen Arbeit durch den Newsletter begleitet. Sie hat Interviews geführt, Berichte verfasst und Hinweise zusammengetragen – und damit unsere Community konstant informiert und verbunden gehalten. Vieles, was den Newsletter heute ausmacht, trägt ihre Handschrift.
Mit dem Start ins 2026 beginnt ein neues Kapitel mit einer neuen Redaktion. Zum Übergang möchten wir Monika herzlich für die langjährige und verlässliche Zusammenarbeit danken. Zum Abschluss haben wir ihr ausnahmsweise selbst ein paar Fragen gestellt:Du hast du den Newsletter viele Jahre mit deinen Texten begleitet, wie kam es dazu? Eher zufällig bin ich, nach einer Spontananfrage, in die Redaktionsarbeit reingerutscht. Der damalige Präsident Yannick Andrea schrieb in seiner Begrüssung: «… [Sie Monika Jägggi] freut sich darauf, mit der Übernahme der SBF INFO Redaktion vermehrt in das Thema Fotografie eintauchen zu können.» Eingetaucht bin ich zunächst eher zögernd – ich musste die damalige SBF Truppe aus nah und fern ja erst kennenlernen – aber je mehr Fotograf:innen ich persönlich getroffen hatte, je mehr ich selber beitragen, vorschlagen, entscheiden und schreiben konnte, desto mehr Spass hat es gemacht. Mir wurde auch bewusst, dass der NL grosses Potenzial hat und eine ist eine Chance für den Verband. Entsprechend empfand ich auch die Verantwortung, die ich als Redakteurin hatte. Was hat sich während dieser Zeit in deiner Arbeit als NL Redakteurin am stärksten, auch thematisch, verändert? Zum einen hat sich meine Rolle geändert. Meine Aufgabe damals war es, die Texte zu redigieren, also sprachlich zu korrigieren. Bald zeigte sich, dass die Berichte nicht einfach so auf den Redaktionstisch flatterten. Also schrieb ich selber auch Texte. Der NL hat sich inhaltlich immer wieder verändert. Einige Illusionen mussten wir begraben: So war er mit seinen Rubriken zu ausführlich und sprengte den organisatorischen und zeitlichen Rahmen. Es war damals auch das Ziel, dass jede Sektion monatlich über ihre Aktivitäten berichten sollte. Das hat bei einigen geklappt, bei anderen weniger. Ich realisierte: Fotograf:innen ziehen das Fotografieren dem Schreiben vor.Welche Themen sind dir in Erinnerung geblieben? Es gab spannende Schwerpunktthemen: 2018 bis 2020 beispielsweise war die Urheberrechtsrevision mit dem für Fotograf:innen wichtigen Lichtbildschutz für sämtliche Fotografien aktuell. Der NL begleitete diesen Prozess, bis das revidierte Urheberrechtsgesetz 2020 offiziell in Kraft trat. Mir bleibt in diesem Zusammenhang die frühmorgendliche SBF-Polit-Aktion 2018 vor dem Bundeshaus in Erinnerung. Es war der Morgen vor der Abstimmung zur URG-Revision. Es war eiskalt und alles war noch dunkel. Aber die vor dem Bundeshaus schlotternden Fotograf:innen mit ihrem Lichtbildschutz-Banner liessen sich von der Kälte nicht beeindrucken. Sie stoppten die vorbeihuschenden Parlamentarier:innen, machten diese auf die Bedeutung des anstehenden Themas aufmerksam – auch mit Schokolade. Irgendwann tauchte dann die Polizei auf... auch das war einkalkuliert! Die Stimmung war super und die Schokolade tat ihre Wirkung!Du hast zahllose Interviews geführt und dabei interessante Menschen kennengelernt. Kannst du uns eine Anekdote erzählen? An eine Anekdote kann ich mich nach 74 Interviews nicht erinnern – jedes hatte seinen «Unique Selling Point». Ich muss dazu etwas ausholen: Als ich mit der NL Redaktion angefangen habe, gab es die Rubrik «5 Fragen an…». Daraus habe ich die Rubrik «Persönlich» kreiert – das monatliche Fotograf:innen-Interview, das im April 2019 zum ersten Mal online ging und sich bis zum heutigen Format entwickelt hat. Mich interessierten die unterschiedlichen Biografien der Fotograf:innen, ihre Herangehensweisen an die Fotografie und auch die diversen Themenbereiche – von Gefängnis- und Unterwasserfotografie über Pflanzen- und Architektur- bis zu Mode- und Foodfotografie und vielem mehr. Es gibt fast nichts, was nicht fotografiert wird – auf allen Kontinenten, lokal und international, in jeder Landschaft, von urbanen Räumen, von Wüsten und Bergen bis Eislandschaften. Beeindruckt hat mich, wie sich selbständig arbeitende Fotograf:innen über die Runden gekommen sind. Überrascht hat mich, wie schwierig es in den ersten Jahren war, Fotografinnen zu finden, die sich für ein Interview zur Verfügung gestellt hätten. Und: Interviews sind aufwendig – von der Suche der Fotograf:innen und dem Recherchieren ihrer Biografien, zu den Fragen formulieren, den Antworten redigieren, nachfragen, ändern – es dauert, bis Fotograf:in und Redakteurin zufrieden sind. Hat sich in den Jahren «nah an der Fotografie, ohne selbst Fotografin zu sein» dein Blick auf diese verändert und wenn ja, wie? Als Journalistin muss ich nicht nur den Text liefern, sondern auch die Bilder, ich bin also eine Teilzeitfotografin. Im Laufe der NL Zeit hat sich mein Blick auf meine eigene Fotografie verändert und hoffentlich auch verbessert. Geholfen hat dabei sicher auch die Durchsicht ungezählter Fotos für die Illustration des NL! Ich habe durch meine NL Arbeit einen tieferen Einblick in die Arbeit von Berufs-Fotograf:innen und in ihre täglichen Herausforderungen erhalten. Mein Blick auf die Fotografie hat sich auch durch zahlreiche Ausstellungsbesuche wie der Paris Photo, des Vercasca Foto Festivals oder der Photo Schweiz geschärft. Da mein zweites Leben in Toronto spielt, hat es sich durch meine NL Arbeit ergeben, dass ich dort vermehrt in Kontakt mit Fotograf:innen und ihren Ausstellungen war. Stichworte Edward Burtynsky oder Sara Angelucci.